02. Januar 2014, 12:40 Uhr

Die Kinokneipe und das Ostentorkino müssen vielleicht zusperren

Der Gebäudekomplex in Regensburgs Ostenviertel, der seit über 40 Jahren das mutmaßlich älteste deutsche Programmkino beherbergt, soll laut Bericht der MZ vom 24.12.2013 im Jahr 2016 zu einer Disco oder einer "Event-Location" umgewandelt werden. Neben dem "Ostentorkino", einem von nur noch zwei verbliebenen Altstadtkinos, würden der alternativen Regensburger Kulturszene auch die heimelige "Kinokneipe" sowie das "Chaplin" verloren gehen.
Hiermit drücken die Unterzeichner der Petition ihr Missfallen über dieses Vorhaben aus und bitten Sie, dieses Kulturgut in Regensburg zu erhalten.


Begründung:

Ich bezog meine erste Wohnung in der Adolf-Schmetzer-Straße im September 2002. Von da an begegneten mir die genannten Institutionen, vor allem das Ostentorkino, beim täglichen Spaziergang zum Bus und bei sämtlichen Fahrradtouren in die Stadt. Welche gemeinschaftliche Studentenwohnküche war nicht mit den farblich marginal verschiedenen Kinoprogrammen der Altstadtkinos gepflastert? Beim Schafkopf war der Kinotaler ein willkommen ungewöhnlicher Begleiter, der den Kontrahenten beim "Aufdoppeln" durch die Blume ein erfreulich gutes Blatt signalisierte. Viele Portemonnaies wuchsen zu beeindruckender Fülle an, weniger wegen des vielen Geldes, als viel mehr durch die obligatorische orangefarbene Zehnerkarte der Altstadtkinos, für die es beim Erwerb immer noch drei Freikarten dazu gab. Wessen Geldbörse noch Platz bot, der sammelte die entwerteten Eintrittskarten bis man zehn davon hatte, um dann einmal für lau auf den bequemen Sesseln Platz nehmen zu dürfen.
Ob man damit billiger wegkam als durch zehn alleinstehende Kinobesuche, spielte keine Rolle. Es ist viel mehr die Identifikation mit dem Kino, mit dem netten, hinter Sauren Stangen und kleinen Chipstüten eingebauten Herren, der einem für jeden in die Karte gelochten Kinobesuch noch 1,50€ zusätzlich abknöpft, weil der "top"-Film "Ein Freund von mir" mit Jürgen Vogel eben mit 6,50€ immer noch ein Bier in der Kinokneipe günstiger ist als seine kassenschlagenden Artgenossen im CineMaxx.
Wo soll die Regensburger Kurzfilmwoche stattfinden, wo das weiße Zelt mit dem Heizstrahler aufgebaut werden und wen soll man beim Kickern in einer Event-Location beobachten?
Im Kinosaal angekommen, einen Platz hinter einem möglichst durchschnittlich großen Kinofreund ergattert, wird der Sessel mit der Jacke reserviert und beim Getränkeholen in Richtung Kinokneipe getestet, ob der Durchgang immer noch breit genug ist, oder ob man demnächst im Chaplin doch die kalorienärmere Region der XXL-Speisekarte bevorzugt in Augenschein nehmen sollte.
Jeder von euch / Ihnen wird andere Gründe haben, euch wird aber sicher beim Gedanken an eine Disco am Ostentor die ein oder andere melancholische Erinnerung kommen, die euch für den Erhalt dieser Regensburger Urgesteine Partei ergreifen lässt.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Weiherhammer, 28.12.2013 (aktiv bis 27.02.2014)

Erstellt von: hans