21. September 2010, 02:14 Uhr

Regensburg, 21. September Rauchen ohne Gesang


"Nur der Klaus." Diese Antwort sagte schon wieder alles aus. Damit brachte der Ludwig den Teil der Regensburger Musikszene, die sich aus Stammgästen, Personal und Inventar Kinokneipe zusammensetzt, perfekt auf den Punkt.


Von Säm Wagner/Zündfunk

Säm Wagner | Bild: BR/Säm Wagner

Bildunterschrift: Regensburg-Man Säm Wagner

Vor gut einem Jahr saßen wir schon einmal in eben jener Kinokneipe an einem Tisch und Ludwig erzählte von seiner neuen Band. Von Godspeed Bugkiller, einer "Kinokneipen-Supergroup", weil alle Bands, die irgendwie im Umfeld dieser "Boazn" entstanden sind, scheinbar jeweils mindestens ein Bandmitglied für Godspeed Bugkiller abstellten. Auf der Bühne standen dann so knapp zehn Leute. Und sie musizierten, wie ein aufziehender Sturm. Gitarren-Gewitter, Bläser, Rhythmus, Leid und Euphorie.

Eine Debüt-CD kam heraus und dann hörte ich lange nichts mehr von Godspeed Bugkiller. Jetzt saßen mir Klaus, Mira und Ludwig gegenüber und erzählten von ihrer neuen Band. Bestehend aus mal sieben, mal mehr, mal weniger Bandmitgliedern. Allesamt aus demselben Band-Umfeld, das auch Jenny Lund, Beige GT, The Trashing Days, Roman S. und viele andere Gruppen hervorbrachte. Die Musiker spielten teilweise bei 2 Tage:ohne Schnupftabak Punkrock oder bei Sir Simon Battle Singer-Songwriter-Indie-Pop.

Und jetzt spielen sie bei Containerhead. Und sie erzählen, wenn sie von den Proben und dem einen bisherigen Auftritt sprechen, nicht wie von einem weiteren Projekt, sondern von etwas unfassbar Großem. Nicht nur, was die Quantität der Musiker angeht. Und da kam meine Nachfrage von wegen Godspeed Bugkiller. "Was soll das denn jetzt wieder? Das sind doch dieselben Leute, schon wieder. Oder ist irgendjemand bei Containerhead, der nicht schon bei Godspeed Bugkiller dabei ist?" - "Nur der Klaus."

Klaus, Mira und Ludwig kümmern sich bei Containerhead um die Songs. Mit zwei Bässen (!) und einem Schlagzeug arbeiten sie an den Grundstrukturen der Stücke, bevor die anderen Bandmitglieder in den Proberaum kommen und ihre Ideen hinzuspinnen. Wer zu Containerhead gehört, wird formlos entschieden. In der letzten Woche waren es sechs oder sieben Musiker. Es können aber auch jederzeit nur vier oder auch mehr werden. Was der enge Freundeskreis hergibt oder wer gerade in der Stadt ist, um gemeinsam Musik zu machen.

Vor einigen Wochen, Anfang August spielten Containerhead ihren ersten Auftritt beim Agratamagatha-Festival im niederbayerischen Riedenburg. Den Auftritt ließen sie filmen und stellten das Ergebnis ins Netz.

Neben vielen jungen Menschen, die auf der Bühne enthusiastisch Zigaretten rauchen (bei Gitarristen ja keineswegs neu, einen rauchenden Melodica-Spieler sah man bis dato aber, das glaube ich zumindest, noch nicht häufig auf einer Bühne), sieht man sieben Musiker, die vertieft in die leidenschaftliche Erzeugung von Tönen sind. Die immer wieder Instrumente wechseln. Vom Schlagzeug zum Vibraphon, von der Gitarre zur Trompete oder zur Melodica (siehe oben). Gitarrensaiten werden zärtlich gestrichen, kurz danach kniet man am Boden vor Effektgeräten, um die Saitenschwingungen wieder zu zerstückeln. Und nirgends ist jemand, der singt, schreit oder auch nur spricht.

Postrock, ohne Gesang. Tortoise grüßen von weitem. Und vor allem und viel mehr grüßen: Do make say think aus Kanada. Musik, die irgendwo zwischen Jazz, Rock und Strukturen elektronischer Musik festklemmt und deren Erzeuger gerne mal auf den Boden spucken, wenn das Wort "Indie" schon wieder fällt. Dafür ist man viel zu erwachsen und ernsthaft geworden.

Inzwischen haben Containerhead eine EP aufgenommen. Simon Frontzek (Sir Simon Battle) hat sie in Berlin produziert. Am 9. Oktober stehen Containerhead im Nürnberger K4 auf der Bühne. Am 16. Oktober feiern sie im W1 ihre Regensburg-Premiere. Am 9. November spielen sie dann gemeinsam mit The Happy End (auch Kinokneipen-Umfeld, inzwischen aber in Berlin sesshaft geworden) in der Alten Mälzerei.

 

Erstellt von: hans