23. Dezember 2009, 14:15 Uhr

Die Kinokneipe ist kultig /seit 39 Jahren

„Welcher Sound gerade läuft, bestimmt, wer Dienst schiebt“

Anno 1971 sorgten im Kino am Ostentor die ersten Streifen für Kurzweile mit Publikumsatmosphäre. Links an der Leinwand vorbei führte schon damals ein schmaler Gang zu den Örtlichkeiten. Außerdem standen dort noch ein Kühlschrank und ein Tisch. Mittlerweile nimmt die Kneipe hinterm Kino mehr Raum ein. Und sie ist Kult.

1977 wurde kräftig umgebaut. Über Bänken in bequemen Ecknischen hängen Bilder, Szenen in Schwarzweiß aus Dr. Mabuse und Charlie Chaplin. Die Wände rund um die Bar sind gespickt mit Autogrammkarten von Künstlern aller Genres. Im Hinterzimmer steht ein Kicker.

Der moderne Flachbildschirm über dem Kühlschrank zeigt heute Filme –  ohne Ton, versteht sich. Denn was aus den Boxen kommt, huldigt bis heute der musikalischen Avantgarde. Independent-Klänge, Sachen, die sonst nur selten zu hören sind. Welcher Sound gerade läuft, bestimmt, wer Dienst schiebt. „Die Keeper schreiben mir auf, was sie wollen, und ich kaufe es“, sagt Pächter Hans.

Hinter dem Tresen stehen damals wie heute hauptsächlich Studenten, in der Regel  Stammgäste – auch daran hat sich nichts geändert. „Ich hab sogar eine Grafikerin, die immer noch einmal im Monat ausschenkt, nicht wegen der Kohle, einfach aus Spaß“, sagt Hans und freut sich.  Im Team wird entschieden, wer reinpasst und wer nicht. „Das letzte Wort haben die Keeper.“

Viele Läden, die bei Non-Chart-Musik, etwas abgegriffener Inneneinrichtung und Laissez-faire-Stil zu einem Bier einladen, hat die Domstadt kommen und gehen sehen. Das Lokal am Ostentor ist sich die ganze Zeit über selbst treu geblieben, seit 25 Jahren. Hans: „Die Kneipe hat sich niemals ein Tarnkäppchen aufgesetzt, um mit den modernen Bars mitzuhalten.“

„Das Schöne hier drinnen ist: Den Leuten ist es nicht wichtig, wer neben ihnen sitzt.“ Auch Johannes von Turn und Taxis selig soll Stammgast der Kinokneipe gewesen sein. Übrigens: Bedient wurde und wird hier niemand. Sein Getränk muss sich der durstige Gast schon selbst an der Bar abholen.

Hans verdiente sich während seiner Studentenzeit als Filmvorführer und Kassier im Kino ein paar Kröten, und er war selbst oft Gast. Heute macht der 52-Jährige „nur“ noch den Kino-Job. Ab und an aber lässt er sich’s nicht nehmen und zapft selbst – weil’s einfach Kult ist.

Erstellt von: hans